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Vorschau


Oktober/November


Donaueschicnger Musiktage, AudioProgrammierung

SO des SWR, Salonen Cellokonzert, C. Eschenbach , N. Altstaedt, LiveElekronik, Klangregie

Wien Modern, ascolta, Klangregie

DLF, Produktion ascolta


September

WIlkins/Sattelberg/Schneider-Hollek - Hospitalkirche Stuttgart


Sibiu, Rumänien 18.-23.6.19

Sanya, China April 19

CDFI / Universität Greifswald 3.4.19


Tschussowaja Perm 22.11.2018

Elektrosophen Bremen  17.11.2018

Ulm, scanplus Galerie im Science Park 18.10.2018


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Im Grenzland zwischen Kunst und technischer Innovation

Der Komponist Matthias Schneider-Hollek



Matthias Schneider-Holleks Musik zeigt auf, wie groß das Spektrum der Eingriffsmöglichkeiten in die konventionellen Instrumentarien durch die Beimischung von gesampelten Klängen sein kann. In der Kammermusik des 1963 in Waiblingen geborenen Künstlers treten zwei nur oberflächlich divergierende Klangwelten in Beziehung. Der Begriff „Kammermusik“ ist hier bewusst gewählt, zumal das Instrumentarium bei ihm bisher eher klein gehalten ist. Mit den wenigen konventionellen Instrumenten im Verbund mit den Rechnern und Samplern erschafft Matthias Schneider-Hollek dann allerdings mannigfache Klangwelten, die vom orchestralen Toben bis zu sensibelsten Schattierungen solistisch bestimmter Entscheidungen reichen. Das Faszinierende an diesen unterschiedlichen Klanginszenierungen ist ihre Fähigkeit, in jedem Raum gleich präsent zur Wirkung zu kommen. Und damit sind der dritte Instrumentalist in diesem kammermusikalischen Team die Lautsprecher selbst. Sie sind es, die mit minutiöser Präzision die Räume mit jenen vielfach waghalsigen, oft riskanten, mitunter kitschigen, manchmal auch sentimental-romantischen oder auch ergreifend wehmütigen Kompositionsentwürfen füllen und zwar immer so, dass die Verortung der Lautsprecher einem Kunstwerk, einer raum-architektonischen Strategie entspringt.

In der Vielfalt der künstlerischen Fähigkeiten von Matthias Schneider-Hollek kommt nun noch zum Instrumentalisten (Flöte), neben dem Komponisten, Sampler und Rechnerakrobaten ( gemeint ist damit der Zauberer, dessen Zauberstäbe die jüngsten Errungenschaften von neuesten Softwareprogrammen, neuen Klangmanipulationen und -imitationen zum Tanzen bringen) auch der Tonregisseur hinzu. Also der Raum-Gestalter und Organisator der Effekte des künstlerisch Erfundenen, sozusagen der Magier zwischen Werk und Publikum.


Die Musik von Matthias Schneider-Hollek zu beschreiben, ist ungemein schwierig, weil sie mit dem Bewusstsein gegenwärtigen Komponierens von Komponisten der Neuen Musik nicht viel gemein hat. Dennoch sind alle technisch-instrumentalen Möglichkeiten, alle Klang- und Geräuschspektren der Avantgarde Matthias Schneider-Hollek verfügbar. Aber seine Musik verzichtet auf das Getriebensein eines permanent innovativen Suchens um jeden Preis. Er ist quasi aus der laufenden Musikgeschichte ausgestiegen und bezieht alle Möglichkeiten, die je vor ihm erfunden oder gefunden wurden, in sein Schreiben und Denken mit ein. Konsonantische Klänge werden vielfach mit Ironie, mit Ernst, mit Zitatcharakter meist so eingesetzt, dass sie mit expressiv-perkussiven Attacken ihrer minimalistischen Struktur Bekanntes perforieren und damit neu entstehen lassen.

Die technische Ambition steht im Zentrum dieser Arbeiten, also raffinierte Klangsprache, mit der frei improvisierend Ausdruck erfunden wird. Das Spiel zwischen Leichtigkeit und Überraschung macht ein unmittelbares Zuhören leicht. Die Antiverhirnung, die sich Matthias Schneider-Hollek selbst als Credo eingeschrieben hat, läuft allerdings mitunter Gefahr, das Zirzensische der Klänge zu automatisieren. Denn auch in diesem attraktiven „Klang-Zirkus“ gibt es ein Formelarchiv, das sich seines eigenen Ghettos bewusst werden will. Das anämische, also blutentleerte Symptom ließe sich jeder Art von kompositorischer Redundanz zuschreiben. Grenzen sprengend und in eine eigenwillige Poesie sich aufmachend, sind dann aber die Arbeiten von Matthias Schneider-Hollek, wenn neben der elektronischen Klangwelt ein Klavier oder ein Violoncello unverfremdet Kammermusik inszenieren. Ein Spiel zwischen sorgloser Sentimentalität und ostinativ kalten Rhythmen, aber auch zwischen überraschender Eingriffe in eine idyllische Klangwelt und assoziativen Gartenzaunstelldicheins mit dem Jazz bleiben immer subtil, nie wird instrumental oder technisch gebrüllt. Eine vertraute und zugleich unbekannte Noblesse ist diesen komponierten Improvisationen eingeschrieben. Zartheit und Feinschliff prägen solcherart Zusammenspiel.


Mit den Kategorien der Ästhetiken innerhalb der unterschiedlichen Strömungen der Neuen Musik lassen sich – wie schon oben bemerkt - die Kompositionen und Improvisationen von Matthias Schneider-Hollek kaum klassifizieren. Sie entziehen sich diesen Kriterien. Sie boykottieren sie geradezu, weil die spontanen Erfindungen der Technik im Moment der jeweiligen Aufführungen - aufgeladen durch sehr persönliche und eigenwillige künstlerisch-kreative Substanz - nicht benennbar sein wollen.

Seine Klanglandschaften, die entstehen, bilden ihr eigenes Publikum. Und es geht nicht um Massenereignisse, nicht um künstlerische Karrieren und Herrschaftsrituale, sondern um pointierte Events, die immer auch eine ironische Brechung miteinbeziehen. Furore machen mit heiterster Gelassenheit. Aufsuchen von Ausdrucksformen, die repräsentativ die Verwüstungen gegenwärtiger Massentechnik reflektieren. Träumen von einer anderen Welt mit den schärfsten Mitteln, gegen den Widerstand der Ohren. Subtilität, Leichtsinn, Kitsch, technischer Schnickschnack, Lärm, Spielfreude, Spiritualität und Extremismus paaren sich in solchen Laptopereignissen.


Hans-Peter Jahn



Matthias Schneider-Hollek | mail: schneider(at)hollek.de | mobil tel. +49 (176) 56885866